Richtlinie für Vaterschaftstests: Mutter grundsätzlich mit einbeziehen!

Mutter-Vater-Kind-Icon-gespiegelt-Fotolia_43062332_XSDie Richtlinien für Abstammungsgutachten wurden zuletzt im Juli 2012 novelliert. Neben den neuen Regeln des Gendiagnostikgesetzes (GenDG) wurden auch höhere Qualitätsanforderungen sowohl im Bereich der Laboruntersuchungen, als auch bei der Qualitätssicherung und der Organisation der Probenentnahmen für Vaterschaftstests festgeschrieben.

Unter Ziffer 6.1 stellt die Richtlinie fest, dass auf die Mutter des Kindes nur dann verzichtet werden soll, wenn diese für die Untersuchung nicht zur Verfügung steht. Nach unserer Korrespondenz mit der zuständigen Gendiagnostikkommission (GEKO) zu diesem Thema ist damit gemeint, dass die Untersuchung von sogenannten Duo-Fällen (nur Kind und Mann) beim Vaterschaftstest die Ausnahme sein soll. Es muss hierfür einen zwingenden Grund geben. Zulässig ist der Duo-Test in jedem Fall, wenn die Mutter verstorben ist oder wenn sie getrennt vom Kind lebt und ihr Aufenthaltsort unbekannt ist. Ebenfalls ermöglicht werden soll ein Duo-Test, wenn das beteiligte „Kind“ bereits volljährig ist. Die einfache Äußerung der Mutter, dass sie nicht beim Vaterschaftstest mitwirken will, reicht sicher nicht aus. Gemäß § 1598a (1) BGB haben vielmehr die anderen Beteiligten ein Recht darauf, die Mitwirkung der Mutter bei der Abklärung der Vaterschaft eines Kindes zu verlangen. Eine fehlende Zustimmung der Mutter kann sogar gemäß § 1598a (2) durch einen Beschluss des Familiengerichts ersetzt werden.

Die Einbeziehung der Kindesmutter beim Vaterschaftstest hat vor allem zwei wichtige Gründe. Einerseits ist es die einzige zuverlässige Methode zur Identitätssicherung bei Säuglingen und sehr kleinen Kindern, da die biologische Mutterschaft anhand der Untersuchungsbefunde nachgewiesen werden kann. Dies verringert ganz erheblich die Manipulationsmöglichkeiten beim Vaterschaftstest. Andererseits erhöht die Einbeziehung der Mutter auch die Aussagekraft des gesamten Tests und führt so zu mehr Ausschlüssen oder besseren statistischen Hinweiswerten bei der Auswertung der Ergebnisse.

Wir empfehlen Ihnen daher, die Mutter grundsätzlich immer in den Vaterschaftstest einzubeziehen. Nur in den genannten Ausnahmen wäre der Duo-Test zulässig. Diese Anforderungen gelten in ganz Deutschland und sollten nicht zuletzt auch eingehalten werden, um Anlässe zu vermeiden, aus denen der Test später eventuell nicht bei Behörden oder vor Gericht anerkannt werden könnte.