Fragen und Antworten zum Vaterschaftstest

FAQ1. Wie stelle ich sicher, dass an dem Probenmaterial nicht manipuliert wird?

Die aktuellen Richtlinien (Vgl. Ziffer 5.1) sehen vor, dass die Unterlagen und das Entnahmematerial entweder beim verantwortlichen Untersucher verbleiben, der die Entnahme dann selbst durchführt, oder von einer „neutralen und sachkundigen“ Person entnommen werden und von dort DIREKT zurück an das Labor bzw. den verantwortlichen Untersucher geschickt werden. Hier eignet sich als Entnahmestelle für Ihren Vaterschaftstest vor allem Ihr Haus- oder Kinderarzt. Er erhält das Material und die Unterlagen in einem versiegelten Testkit. Das Jugendamt ist – sofern die Sachkunde für die Aufklärung, die Dokumentation und die Entnahmetechnik vorhanden ist – ebenfalls zulässig.

Dies dient einerseits dazu, dass nicht durch falsche Handhabung Verunreinigungen auftreten, die das Ergebnis verfälschen könnten; andererseits ist diese Vorschrift auch eine Maßnahme zur Vermeidung von Manipulationsmöglichkeiten, denn wer die entnommenen Proben gar nicht erst in die Hände kriegt, der kann auch nur schwer daran etwas manipulieren. Diese Vorschrift ist in ganz Deutschland gültig.

2. Wie kann ich sicher sein, dass ich alle gesetzlichen Anforderungen und Richtlinien einhalte?

Die wichtigsten Grundregeln beim Vaterschaftstest sind:

  • keine heimlichen Vaterschaftstests – alle Beteiligten müssen Ihr schriftliches Einverständnis geben
  • sichere Probenentnahme  – am besten bei Ihrem Haus- oder Kinderarzt – mit gut dokumentierter Identitätssicherung
  • ein qualifizierter Untersucher – wir empfehlen, neben einer Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025:2005 auch auf den Fachtitel der DGAB bzw. das Prüfzeichen der KFQA zu achten

Detaillierte Angaben hierzu und zum Fachtitel der DGAB finden Sie auf unseren Info-Seiten ‚Was ist zu beachten?‘ und Ablauf.  Klick!

3. Lieber ein Vaterschaftstest mit 15, 21 oder über 30 PCR-Systemen? Wieviele DNA-Systeme müssen untersucht werden, damit der Vaterschaftstest wirklich sicher und zuverlässig ist?

Für Sie als Laien ist es nicht einfach einzuschätzen, wieviele Merkmale bei einem Vaterschaftstest denn eigentlich sinnvoll und notwendig sind, um ein sicheres und zuverlässiges Ergebnis zu erhalten. Die Antwort auf diese Frage hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Mindestanforderung der Richtlinie, die aktuell bei 15 unabhängigen STR-Systemen liegt, spielt es auch eine Rolle, ob eventuell genetische Besonderheiten (z.B. sog. Mutationen) vorliegen, ob die Kindesmutter mit untersucht wird, ob vielleicht sogar nahe Verwandte (z.B. zwei Brüder) als mögliche Väter in Frage kommen und welche einzelnen Untersuchungsmerkmale eigentlich untersucht werden. Damit Sie sich nicht unnötig den Kopf zerbrechen müssen tun wir das bei unseren Angeboten immer für Sie. Wir garantieren die Einhaltung der Richtlinien und des Gendiagnostikgesetzes und liefern Ihnen immer ein sicheres, zuverlässiges und aussagekräftiges Ergebnis. Falls es im Einzelfall erforderlich sein sollte stehen in unserem Labor für unser Angebot ‚MeinKind?‘ bis zu 32 STR-Systeme ohne Aufpreis zur Verfügung.

4. Ist ein Vaterschaftstest mit Blutproben als Untersuchungsmaterial sicherer als ein Test mit Mundschleimhautabstrichen?

Die neuen Richtlinien (2012) stellen beide Untersuchungsmaterialien gleichberechtigt nebeneinander. Da in aller Regel genetische Merkmale untersucht werden ist es grundsätzlich auch egal ob die dafür verwendeten Zellen aus einer Blutprobe oder einem Abstrich von der Mundschleimhaut stammen. Es wird aus beiden Materialien jeweils der Träger der Erbinformationen – die DNS (Desoxyribonukleinsäure, engl. DNA) – durch Extraktion gewonnen und in einer Polymerasekettenreaktion (PCR) untersucht. Das Ergebnis aus beiden Proben ist daher bei einer Person in aller Regel identisch. Seltene Ausnahmen bilden hier nur Extremsituationen wie z.B. der Zustand nach einer Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation. Nach derartigen therapeutischen Eingriffen wird daher immer bei der Entnahme gefragt.

Wichtig ist vor allem, dass bei den Probenentnahmen immer eine gute Identitätssicherung durchgeführt wird und dass auch die sonstigen Anforderungen der Richtlinien eingehalten werden. Dadurch werden Fehler wirksam verhindert und Manipulationen deutlich erschwert, was das Vertrauen in das Ergebnis des Vaterschaftstests bei allen Beteiligten verbessert.

5. Ich möchte einen Vaterschaftstest ohne die Mutter des Kindes durchführen. Führen Sie solche Tests durch?

Grundsätzlich ist ein solcher Test zwar technisch möglich. Die aktuellen Richtlinien sehen jedoch einen Vaterschaftstest ohne Kindesmutter nur dann vor, wenn diese nicht für die Untersuchungen zur Verfügung steht (Vgl. 6.1 der Richtlinie). Diese Vorgehensweise soll laut Stellungnahme der Gendiagnostikkommission auf wenige Ausnahmen beschränkt bleiben und wäre damit zum Beispiel in Fällen anwendbar, in denen die Mutter getrennt lebt von Kind und möglichem Vater und nicht erreichbar (unbekannt verzogen, oder z.B. obdachlos und ohne Kontaktmöglichkeiten) oder sogar verstorben ist. Wenn das Kind bei der Mutter lebt und beide zur Probenentnahme gehen, dann soll die Mutter auch mit einbezogen werden. Dies ist einerseits die beste Möglichkeit zur Identitätssicherung bei dem beteiligten Kind – es ist nämlich aufgrund der Untersuchungsergebnisse erkennbar, ob die beteiligte Frau tatsächlich die biologische Mutter des Kindes ist – andererseits erhöht die Einbeziehung der Mutter auch die Aussagekraft des Vaterschaftstests und führt damit zu besseren Ergebnissen mit höheren Wahrscheinlichkeitswerten oder mehr Ausschlüssen.

Aufgrund gesetzlicher Vorschriften ist es für einen Vaterschaftstest auch erforderlich, dass alle Personen – bei minderjährigen Kindern dessen Sorgeberechtigte – mit der Untersuchung einverstanden sind. Mit der Untersuchung gegen den Willen einer der Personen verletzt man deren Recht auf informationelle Selbstbestimmung! Ein solcher ‘heimlicher’ Vaterschaftstest wird unverändert NICHT als Begründung für eine Vaterschaftsanfechtungsklage anerkannt. Seit Februar 2010 sind heimlichen Vaterschaftstests nicht nur gesetzlich verboten sondern sogar strafbewehrt. Ein Vaterschaftstest ohne die Mutter sollte deshalb nur in den zuvor genannten Ausnahmen durchgeführt werden.

6. Als Untersuchungsmaterial habe ich einen Schnuller / ein paar Haare des Kindes. Kann ich mit diesem Material einen Vaterschaftstest durchführen lassen?

Technisch ist die Untersuchung zwar durchaus möglich, da dieses Material aber in der Regel bedeutet, dass es sich um einen ‘heimlichen’ Vaterschaftstest handelt, wird es bei uns für private Vaterschaftstests grundsätzlich nicht angenommen. Als Untersuchungsmaterial für private Aufträge verwenden wir daher nur Mundschleimhautabstriche oder Blutproben, deren Identität eindeutig gesichert ist. Die Verwendung anderer Materialien wäre z.B. auf richterlichen Beschluß hin denkbar.

7. Mein Vater ist leider bereits verstorben. Nun bestehen aber Zweifel, ob er tatsächlich mein biologischer Vater war. Kann man ohne ihn zu untersuchen feststellen, ob ich tatsächlich sein Kind bin?

Auch diese Fragestellungen sind technisch grundsätzlich zu beantworten. Zunächst lohnt es sich zu prüfen, ob man für den Vaterschaftstest eventuell noch persönliche Dinge von dem Verstorbenen hat, die einen Test ermöglichen. Hierbei sind insbesondere persönliche Briefe der Person mit (NICHT selbstklebenden) Briefmarken oder Klebeflächen der Umschläge denkbar. Falls die Person erst kürzlich verstorben ist kann eventuell auch noch an dem Leichnam eine Probe entommen werden, die einen Vaterschaftstest ermöglicht. Auf die Einhaltung der Persönlichkeitsrechte sowie des Gendiagnostikgesetzes muss dabei geachtet werden. Alternativ ist auch eine Untersuchung von Verwandten des Verstorbenen möglich. Hier wäre zu klären, ob für die Untersuchungen z.B. die Eltern des Verstorbenen, Geschwister oder andere leibliche Kinder zur Verfügung stehen. Wir beraten Sie gerne bezüglich des erforderlichen Umfangs und Aufwands für Ihren Vaterschaftstest oder andere Abstammungsgutachten.